Kongresshalle
Berlin
Forum Stadtbild Berlin
Schloss
Brandenburger Tor
Stand: 21. April 2017

Erklärung von 1926

Erklärung von 1926

Erklärung von 1926 für die Erhaltung des Alten Berlin
Unterzeichner:
Rudolf Blanckertz - Ernst von Borsig - Max Cassirer - Hermann Dernburg - Alfred Döblin - Walter Frisch - Jacob Goldschmid - Rudolf Hauptner - L. Heck - Hermann Jansen - Arthur Kampf - Katharina von Kardorff - Friedrich Kayssler - Arnold Knoblauch - Georg Kolbe - Käthe Kollwitz - Theodor Lewald - Max Liebermann - Hans Mackowsky - Werner March - Franz von Mendelssohn - Charlotte Mühsam-Werther - Louis Raven - Max Reinhardt - Franz Seeck - C.F. von Siemens - Ellen von Siemens-Helmholtz - Helmut Spät - E.G. von Strauss - H.C.C. Wach - Oskar von Wedekind - Theodor Wiegand - Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff

Es gilt heute als eine selbstverständliche Forderung, dass in alten Städten nicht nur einzelne architektonisch bedeutsame Bauten, sondern ganze Straßen- und Platzbilder von charakteristischer Eigenart erhalten werden müssen. Denn sie bilden zusammen eine städtebauliche Einheit, deren Wert durch die Erinnerung an die Geschichte und eine blühende Kultur der Vergangenheit noch erhöht wird.

Mit der Beziehung zum Boden, aus dem das Stadtbild heraus-gewachsen ist, ist ihm vollends ein so besonderes persönliches Gepräge aufgedrückt, dass jedes in seiner Art ein Originalwerk künstlerischen Schaffens darstellt, nicht anders als ein Werk der bildenden Kunst, das aus der Hand eines berühmten Meisters hervorging.

Die vorhandenen Altstädte sind vernachlässigt worden, und es konnte geschehen, dass man alte Teile beseitigte, ohne an die hierdurch bewirkte Vernichtung von Kulturwerten zu denken, deren Erhaltung für die bewusste Weiterentwicklung eines Gemeinwesens unentbehrlich ist. Viele Großstädte, welche die... Bedeutung ihrer Altstadt für das Gegenwartsleben frühzeitig erkannten, haben es verstanden, die Stadterweiterung so zu führen, dass die alten Teile nicht angetastet wurden. ...

Wenn Berlin dem konservatorischen Gedanken bisher wenig Beachtung geschenkt hat, so ist das eine Unterlassung, die nicht genug bedauert werden kann. ... Noch in letzter Zeit sind hier Fehler gemacht worden, die bei gutem Willen hätten vermieden werden können, die aber das Ansehen der Stadt als eines ersten Kulturzentrums weit über die Grenzen Deut­schlands herabgesetzt haben. Die neuesten Durchbruchprojekte ... lassen befürchten, dass auch die wenigen Reste der einst so schönen und reichen Altstadt, die sich bisher noch erhalten konnte, nunmehr endgültig verschwinden sollen.

Es haben sich daher Vertreter der führenden Kreise aus der Wirtschaft, Industrie, Technik, Wissenschaft und Kunst, nicht zuletzt aber die heutigen Repräsentanten der Familien, von denen die hohe Kultur Berlins früher getragen wurde, zusam­mengefunden, um in letzter Stunde ihre Stimme gegen die weitere Vernichtung der Altstadt zu erheben. Sie wenden sich an das öffentliche Gewissen in der Überzeugung, dass die lebende Generation nicht ohne weiteres das Recht hat, die Kulturgüter, die sie von ihren Vorfahren übernommen hat, zu zerstören, besonders, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt wird, dass etwas ebenbürtiges Neues an ihre Stelle tritt.

Dabei wäre es falsch, hier romantische Gedankengänge unterstellen zu wollen. Es darf allein das hohe Pflichtgefühl den späteren Generationen gegenüber maßgebend sein, das Erhaltung des Alten, zugleich aber eine Gestaltung des Neuen in organischer Eingliederung erstrebt. ...“